Marita Schlicker

1959 geboren in Marburg

1981 – 83 Keramikausbildung bei Prof. Fritz Vehring und Vera Vehring 

1984 – 90 Hochschule für Kunst bei Prof. K.H. Greune u. Prof. W. Schmitz

Werke im öffentlichen Besitz:

Museum Cesis (Riga), Kunstsammlungen der Freien und Hansestadt Bremen

Hällisch – Fränkisches Museum (Schwäbisch Hall) 


Kunstsammlungen des Landkreises Cuxhaven

Artothek der Stadt Buxtehude

Lebt und arbeitet in Cuxhaven

Zu meiner künstlerischen Arbeit

In meiner Kunst beschäftige ich mich mit drei Themen: Pflanzenform, Landschaft und Figur. Oftmals arbeite ich in Serie und trage die Formen teilweise in einer Hochdrucktechnik auf. Meine bevorzugten Materialien sind verschiedene Papiere und papierbezogene Leinwände (Keilrahmen). Sich hierbei ergebende Unebenheiten werden bewusst in die Arbeit mit einbezogen. Die hauptsächlich in Mischtechnik aufgetragenen Farben kommen meist aus der Palette der Erd- und Naturtöne. Auf den Leinwandbildern ist mir die Reduzierung der Farbigkeit wichtig. Nach einem kräftigen Auftrag von Farbe setze ich verschiedene Japan- und Seidenpapiere ganzheitlich auf die Leinwand und bearbeite die Motive weiter, sodass die Farbaufträge zurückgedrängt werden und eine lichte und weiche Farbigkeit entsteht, wobei sich verschiedene Ebenen überlagern. In jüngster Zeit bearbeite ich die Figur, die in Zeichnung, Druck und im Halbrelief gestaltet ist, auch als Skulptur, die aus mehreren Lagen unterschiedlicher Papiere besteht.

 

Regarding my artwork

In my artwork I have three key issues: Plant Forms, Landscape and Figure. Often I work in serials and use a special kind of relief printing. My favoured materials are different papers and paper-covered canvas. By these surfaces naturally arising warping is willful implicated to my work. The mainly in mixed media applicated colours are mostly from the palette of natural and earth shades. On canvas paintings the reduction of colourness is an important factor of my work. After a base coat of effectual colours I cover the canvas surface complete with Japanese paper. Then I work on the theme, in such a way the base application is repressed into bright and mellow colourness. Recently I work on figure by drawing, printing and relief, but also in sculpture composed of diverse layer of different papers.

 

TextDr. Rainer Kießling Kulturjournalist

 

Ein erster Blick auf die Bilder belegt: Island bietet offenbar ganz besondere Landschaftsimpressionen und – Marita Schlicker arbeitet auf ihre ganz eigene Weise mit der Landschaft. Worin liegt die Besonderheit? Island lässt den Besucher und Betrachter nicht in gemessenem Abstand auf ein ausgewogenes landschaftliches Ensemble schauen. In Island kommt die Natur in elementarer Kraft und Kargheit dem Betrachter nahe und die Cuxhavener Malerin ist mit ihren Papierarbeiten und Leinwänden ganz dicht an die Natur der Insel herangerückt. In jedem Landschaftsteil, in jedem Stein, in jeder Pflanze offenbaren sich der Formen- und Farbenreichtum der Natur, aber auch die Gesetze des Gedeihens und Vergehens. Sie ergreifen unsere Sinne und regen unsere Reflexion an. Wir nehmen vor den Arbeiten der Künstlerin auf intensive Weise Anteil an den Charakteristika der isländischen Natur, an ihren individuellen Ausprägungen in typischen Felsformationen, an der Flora, am Licht, am Kolorit. Dass Island eine bedeutende literarische Tradition und Gegenwart besitzt, mag nicht zuletzt auch an der Landschaft liegen, die auf ursprüngliche Weise vom Dasein erzählt. Eine Landschaft, die Fantasie wachsen lässt und in einer eigenen Ruhe zur Besinnung einlädt.So passen die Insel und die Künstlerin zusammen, weil die Malerin das Empfinden mitbringt, die Eigenheiten der isländischen Natur aufzuschließen und buchstäblich zu Papier zu bringen. Zur Vorbereitung auf diese Rede hat Marita Schlicker mir Fotos zugeschickt. Sie zeigen die Künstlerin bei der Arbeit in Island. Man sieht sie zeichnend vor einer zerklüfteten Feldformation, man sieht, wie sie Papiere auf den Boden legt und niederdrückt, auf die Flechten und Moose, die den Felsboden bedecken, oder auch auf ein Stück Holz mit einer schrundigen Oberfläche, die sich in das mit Meerwasser getränkte Papier hineindrückt. Die Erhöhungen markiert die Künstlerin in gestischen Strichformationen mit Kreide. In diesen Frottagen nimmt sie gewissermaßen einen Fingerabdruck der Natur und schreibt ihn intuitiv weiter. Sie fängt eine Momentaufnahme der Spuren ein, die Wasser und Wetter in dem Boden und in den Pflanzen, am Meeressaum oder in den Felsen hinterlassen haben. Die Künstlerin schaut nicht auf die Weite der Landschaft, diese grenzenlose Raumempfindung lässt sich im Bild auch kaum wiedergeben. Sie nimmt Island in einzelnen ausschnitthaften Ausbildungen wahr. Zusammen schaffen sie ein Bild vom Charakter dieser urtümlichen Naturregion und zugleich sprechen sie von der individuellen bildnerischen Sicht der Künstlerin.